Die Lesbarkeit eines Textes prüfen
Das Werkzeug misst die durchschnittliche Satzlänge, die durchschnittliche Silbenzahl je Wort, den Anteil langer Wörter und den Anteil sehr langer Sätze, fasst das mit der Flesch-Formel zu einem Wert von 0 bis 100 zusammen und zeigt die fünf schwersten Sätze Ihres Textes. Die Grenze gehört gleich an den Anfang, und zwar in zwei Teilen. Erstens: Gemessen wird die Form, nicht die Qualität — die Formel sieht genau zwei Dinge, Satzlänge und Wortlänge. Zweitens: Die Analyse arbeitet mit Koeffizienten für Ukrainisch, Russisch und Englisch, eine Eichung für Deutsch gibt es hier nicht. Der Nutzen liegt deshalb nicht in der Zahl, sondern in der Liste der Sätze, die eine Überarbeitung verdienen.
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Die fünf schwersten Sätze
| Satz | Wörter | Lange Wörter |
|---|---|---|
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Gemessen wird die Form, nicht die Qualität. Die Formel sieht nur die Satzlänge und die Zahl der Silben in den Wörtern. Ein leerer Text kann hoch punkten, eine starke Fachanalyse niedrig. Kein Wert hier ist ein Urteil: Er sagt nicht, dass der Text gut ist, und er sagt nicht, dass er schlecht ist.
Satzgrenzen und Silbenzahlen sind Näherungen. Für Ukrainisch und Russisch werden Silben nach Vokalen gezählt, für Englisch nach Vokalgruppen, und beide Verfahren liegen bei Lehnwörtern, Abkürzungen und Eigennamen manchmal daneben. Für Deutsch gibt es hier keine eigene Eichung: Der Wert wird immer nach der oben gewählten Analysesprache berechnet.
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Wie der Wert berechnet wird
Grundlage ist die Lesbarkeitsformel von Rudolf Flesch: Von der Konstante 206,835 wird die durchschnittliche Satzlänge in Wörtern mit einem Koeffizienten abgezogen und die durchschnittliche Silbenzahl je Wort mit einem anderen. Das Ergebnis wird auf den Bereich 0 bis 100 begrenzt. Die Koeffizienten hängen von der Sprache ab. Für Englisch gelten Fleschs Originalwerte 1,015 und 84,6. Für Russisch ist es Obornewas Anpassung, 1,3 und 60,1, weil russische Wörter länger sind als englische und mit den Originalwerten jeder normale Text als «sehr schwer» herauskäme. Für Ukrainisch werden dieselben Koeffizienten wie für Russisch benutzt: Nach durchschnittlicher Wort- und Satzlänge liegen die beiden Sprachen nahe beieinander, und eine eigens kalibrierte Formel für Ukrainisch ist öffentlich nicht verfügbar. Für Deutsch gibt es in diesem Werkzeug überhaupt keine Eichung — der Selektor bietet weiter genau diese drei Sprachen an, und das steht hier offen statt im Kleingedruckten. Silben werden nach Vokalen gezählt: In den slawischen Sprachen gibt es so viele Silben wie Vokale. Für Englisch werden Vokalgruppen gezählt, mit einer Korrektur für das stumme End-«e». Ein deutscher Text wird nach derselben lateinischen Heuristik zerlegt, wenn Sie «Englisch» wählen; Wörter, Sätze und Silben zählt das Werkzeug dabei brauchbar, nur der Punktwert bleibt ungeeicht.
Was die Stufen der Skala bedeuten
80–100 — sehr leicht, etwa auf dem Niveau von 10- bis 12-Jährigen: kurze Sätze, alltägliche Wörter. So sind Nachrichten und Kinderbücher geschrieben. 60–79 — leicht, etwa auf dem Niveau von 12- bis 14-Jährigen. Das ist die Zielzone für ein Blog, einen Newsletter und die meisten Auftragstexte. 40–59 — normal, etwa auf dem Niveau von 14- bis 17-Jährigen. Ein Wirtschaftsartikel, eine Rezension, ein Longread. Liest sich ohne Mühe, verlangt aber Aufmerksamkeit. 20–39 — schwer: Hochschul- oder Fachzeitschriftenniveau. Angemessen, wenn Sie für Kolleginnen und Kollegen schreiben, riskant, wenn Sie ein breites Publikum meinen. 0–19 — sehr schwer: das Niveau eines Fachaufsatzes oder eines Vertrags. Solche Texte liest man, weil man muss. Keine Stufe ist ein Urteil. Ein Vertrag gehört in die unterste Stufe, und eine Kindergeschichte steht in der obersten genauso richtig. Und die Stufen sind an den englischen Maßstab geknüpft: Ein deutscher Text rutscht schon durch seine längeren Wörter eine Stufe nach unten, ohne deshalb schwerer zu sein.
Was Sie mit den schwersten Sätzen machen
Die Tabelle zeigt die fünf Sätze mit dem größten Gewicht: Länge in Wörtern plus dreifaches Gewicht für Wörter mit vier oder mehr Silben. Ein langer Satz aus kurzen Wörtern liest sich leichter als ein kurzer voller Fachjargon, und die Gewichtsformel rechnet das ein. Dieser Teil des Werkzeugs funktioniert auf Deutsch genauso gut wie auf Englisch, denn er zählt nur und bewertet nicht. Für Schwere gibt es zwei häufige Ursachen. Die erste ist ein Satz, in dem zwei oder drei Gedanken mit Kommas und einem «da» zusammengeklebt sind: Er lässt sich fast immer ohne Verlust halbieren. Die zweite ist eine Kette von Substantiven, die aus Verben gemacht wurden — «Durchführung der Optimierung der Abläufe» statt «damit es besser läuft». Im Deutschen kommt die Schachtelklammer dazu, bei der das Verb erst am Satzende auftaucht. Eine praktische Regel: Läuft ein Satz über 25 Wörter, lesen Sie ihn laut. Die Stelle, an der Ihnen die Luft ausgeht, ist die Stelle zum Trennen. Und jagen Sie nicht dem Wert hinterher. Jeden Satz auf fünf Wörter zu hacken bringt 90 Punkte und ein unlesbares Stakkato: Der Rhythmus eines Textes lebt vom Wechsel langer und kurzer Sätze.
Was dieser Wert nicht leistet
Er bewertet weder Qualität noch Sinn, Logik, Fakten oder Richtigkeit. Ein Text mit einem Fehler in jedem Wort bekommt genau denselben Wert wie ein lektorierter, solange Satz- und Wortlängen übereinstimmen. Und er hängt an der Analysesprache. Die Auswertung arbeitet mit Silbenregeln und Koeffizienten für Ukrainisch, Russisch und Englisch. Einen deutschen Text zählt sie in Wörtern und Sätzen korrekt, doch die Liste der Stoppwörter und die Eichung der Formel gelten für ihn nicht — wählen Sie die Sprache, in der Ihr Text geschrieben ist, und für Deutsch die Einstellung «Englisch». Der Punktwert fällt dann systematisch zu niedrig aus, weil deutsche Wörter länger sind als englische. Brauchbar ist er als Vergleich zwischen zwei eigenen Fassungen desselben Textes, nicht als Note. Er berücksichtigt weder Fachjargon noch die Vertrautheit der Wörter: «Synchrotron» und «Gartenzaun» sehen für die Formel gleich aus, für den Leser nicht. Er unterscheidet keine Gattungen. Dieselben 35 Punkte sind für einen Rechtstext normal und für einen Newsletter katastrophal, und die Formel weiß von diesem Unterschied nichts. Satzgrenzen und Silbenzahlen sind Näherungen: Abkürzungen, Initialen, Akronyme und Lehnwörter verschieben die Zählung ab und zu. Lesen Sie den Wert deshalb als Orientierung auf Stufengenauigkeit, nicht als exakte Zahl.